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1. Ein altes Städtchen lieget traut im grünen Hessenland, auf Rost und Pfählen aufgebaut an Lahn und Wieseck-Strand. Hier schenkt des Wissens köstlich Naß Professor und Dekan, und mancher Spunden springt vom Faß, zu Gießen an der Lahn.

2. Wer nie von Gleibergs Mauerkranz erschaut das weite Land, vom Staufenberg im Sonnenglanz des Flusses Silberband, wem holder Maitrank nie gelacht von Schiffenbergs Altan, der kennt nicht deiner Gegend Pracht: mein Gießen an der Lahn.

3. Und abends bei der Pulvermähl, still zieht die Lahn einher, dann rud're ich auf leichtem Kiel flußauf mein Lieb zum Wehr! Die letzte Sonne färbt die Flut, im Schilfe ruht der Kahn; wie schmeckt ein heimlich Küßchen gut: zu Gießen an der Lahn.

4. Der Gieß'ner Bursch von echtem Schrot, kein fader Modegeck, dient seiner Farb' ... ein Studio frisch und keck. Manch einer schon hat's ausprobiert, denkt all sein Lebtag dran, was man für scharfe Klingen führt: zu Gießen an der Lahn.

5. So leb' dein Bild, o Musenstadt, in unsren Herzen fort, als freies Wissens freie Stadt und frohen Treibens Hort. Drum, wer zu Gießen Bursch gewest, der stoße mit mir an: Es leb' das alte feuchte Nest, mein Gießen an der Lahn!

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