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Zum Jahresschluß

J.H. Voss. 1784

1. Des Jahres letzte Stunde ertönt mit ernstem
Schlag: trinkt, Brüder, in die Runde und wünscht ihm Segen
nach! Zu jenen grauen Jahren entfliegt es, welche
waren; es brachte Freud und Kummer viel und
führt’ uns näher an das Ziel. Ja, Freund und Kummer
bracht es viel und führt’ uns näher an das Ziel.

2. In stetem Wechsel kreiset die flügelschnelle Zeit: sie blühet,
altert, greiset und wird Vergessenheit; kaum stammeln dunkle Schriften
auf ihren morschen Grüften, und Schönheit, Reichtum, Ehr und Macht
sinkt mit der Zeit in öde Nacht. Ach, Schönheit, Reichtum, Ehr und
Macht sinkt mit der Zeit in öde Nacht.

3. Sind wir noch alle lebend, wer heute vor dem Jahr in Lebens-
fülle strebend mit Freunden fröhlich war? Ach, mancher ist geschieden
und liegt und schläft in Frieden! |: Klingt an und wünschet Ruh hinab
in unsrer Freunde stilles Grab! :|

4. Wer weiß, wie mancher modert ums Jahr, versenkt ins Grab.
Unangemeldet fodert der Tod die Menschen ab: trotz lauem Früh-
lingswetter wehn oft verwelkte Blätter. Wer nachbleibt, wünscht dem
lieben Freund im stillen Grabe Ruh und weint.

5. Der gute Mann nur schließet die Augen ruhig zu; mit frohem
Traum versüßet ihm Gott des Grabes Ruh. Er schlummert kurzen
Schlummer nach dieses Lebens Kummer; dann weckt ihn Gott, von
Glanz erhellt, zur Wonne seiner bessern Welt.

6. Auf, Brüder, frohen Mutes, auch wenn uns Trennung droht!
Wer gut ist, findet Gutes im Leben und im Tod! Dort sammeln wir
uns wieder und singen Wonnelieder! Klingt an, und gut sein immer-
dar sei unser Wunsch zum neuen Jahr!

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