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Ingenieurlied

Heinrich Seidel. 1871

1. Dem Ingenieur ist nichts zu schwere, er lacht und spricht:
„Wenn dieses nicht, so geht doch das!“ Er überbrückt die Flüsse und
die Meere, die Berge unverfroren zu durchbohren ist ihm Spaß. Er
türmt die Bögen in die Luft, er wühlt als Maulwurf in der Gruft,
kein Hindernis ist ihm zu groß, er geht drauf los!

2. Den Riesen macht er sich zum Knechte, des wilder Mut, durch
Feuersglut aus Wasserflut befreit, zum Segen wird dem menschlichen
Geschlechte — und ruhlos schafft mit Riesenkraft am Werk der neuen
Zeit. Er fängt den Blitz und schickt ihn fort mit schnellem Wort von
Ort zu Ort, von Pol zu Pol im Augenblick am Eisenstrick!

3. Was heut sich regt mit hunderttausend Rädern, in Lüften
schwebt, in Grüften gräbt und stampft und dampft und glüht, was
sich bewegt mit Riemen und mit Federn, und Lasten hebt, ohn Rasten
webt und locht und pocht und sprüht, was durch die Länder donnernd
saust und durch die fernen Meere braust, das alles schafft und noch
viel mehr der Ingenieur!

4. Die Ingenieure sollen leben! In ihnen kreist der wahre Geist
der allerneusten Zeit! Dem Fortschritt ist ihr Herz ergeben, dem
Frieden ist hienieden ihre Kraft und Zeit geweiht! Der Arbeit Segen
fort und fort ihn breitet aus von Ort zu Ort, von Land zu Land, von
Meer zu Meer — der Ingenieur.

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