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Einst und jetzt

Gustav Pfizer. 1831

1. Meiner Heimat Berge dunkeln flutend in der Wälder
Grün, und gleich Heldenaugen funkeln Sterne,
die darüber glühn. Dämmernd Licht umfließt die
Wipfel, wo das hehre Schweigen thront! Hohenstau-
fens schlanken Gipfel krönt ein Geisterfürst, der Mond.

2. Hohenstaufen, selge Sterne! Beide, Friedrich, Konradin! Schaut
ihr aus verhüllter Ferne jetzt nach eurer Wiege hin? Schweb heraus
aus ihrer Wolke, Liederfrühling, Waffenklang! Über dem verwaisten
Volke tönt erweckenden Gesang.

3. Kühner Rotbart, nicht gestorben bist ja du, du schlummerst
nur, wo um Heil das Schwert geworben, suchend des Erlösers Spur;
aber in der Zauberhöhle hält dich harter Schlaf gebannt; wann er=
wachst du, Heldenseele, fliegst, ein Sturm, verjüngt durchs Land?

4. Kaiser Karl, von dem sie sagen, daß noch oft dein Banner
rauscht, wenn du fliegst im Wolkenwagen und dein Volk dem Siegsruf
lauscht, wo bist du? Den Ruf zum Siege freilich hört kein Deutscher
mehr; und der Glaube ward zur Lüge, harrt umsonst der Wiederkehr.

5. Und du heiligster der Schatten, Hermann, der als Opfer fiel,
Deuschlands sterbendes Ermatten, treibt’s dich nicht vom blutgen Pfühl?
Sagt man doch, Erschlagne kehren wieder, bis ihr Geist versöhnt; kannst
du ruhen, kannst du wehren, wo man deinen Schatten höhnt?

6. Doch die Helden sind geschieden, die Vergangenheit ist tot! Seele,
von des Grabes Frieden wende dich zum Morgenrot, gleich dem Aar,
der einst entflogen Staufens Nachbar, und im Flug Zollerns Ruhm
bis an die Wogen des entlegnen Ostmeers trug!

7. Adler Friederichs des Großen! gleich der Sonne decke du die
Verlassnen, Heimatlosen mit der goldnen Schwinge zu! Und mit
mächtgem Flügelschlage triff die Eulen Rab’ und Weih’! Stets empor
zum neuen Tage, Sonnenauge, kühn und frei!

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