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Das Lied vom Schill

E. M. Arndt. 1813

1. Es zog aus Berlin ein tapferer Held, juchhe! Er führte sechs-
hundert Reiter ins Feld, juchhe! sechshundert Reiter mit redlichem Mut,
sie dürsteten alle Franzosenblut. Juchhe! juchhe! juchhe! o Schill, dein
Säbel thut weh!

2. Auch zogen mit Reitern und Rossen im Schritt, juchhe! wohl
tausend der tapfersten Schützen mit; juchhe! Ihr Schützen, Gott segn
euch jeglichen Schuß, durch welchen ein Franzmann erblassen muß!
Juchhe ec.

3. So ziehet der tapfre, der mutige Schill, der mit den Franzosen
sich schlagen will; ihn sendet kein Kaiser, kein König aus, ihn sendet
die Freiheit, das Vaterland aus.

4. Bei Dodendorf färbten die Männer gut das fette Land mit
französischem Blut; zweitausend zerhieben die Säbel blank, die übrigen
machten die Beine lang.

5. Drauf stürmten sie Dömitz, das feste Haus, und jagten die
Schelmenfranzosen hinaus; dann zogen sie lustig ins Pommerland ein,
da soll kein Franzose sein Kiwi mehr schrein.

6. Auf Stralsund stürmte der reisige Zug. O Franzosen, ver-
ständet ihr Vogelflug! O wüchsen euch Federn und Flügel geschwind!
Es nahet der Schill und reitet wie Wind.

7. Er reitet wie Wetter hinein in die Stadt, wo der Wallenstein
weiland verlegen sich hat, wo der zwölfte Carolus im Thore schlief;
jetzt liegen ihre Türme und Mauern tief.

8. O weh euch, Franzosen! wie mäht der Tod! wie färben die
Reiter die Säbel rot! Die Reiter, sie fühlen das deutsche Blut,
Franzosen zu töten, das deucht ihnen gut.

9. O Schill, o Schill, du tapferer Held! o weh! Was sprengest du
nicht mit den Reitern ins Feld? o weh! Was schließest in Mauern
die Tapferkeit ein? Bei Stralsund, da sollst du begraben sein. O weh,
o weh, o weh! o Schill, dein Säbel that weh!

10. O Stralsund, du trauriges Stralesund, o weh! in dir geht
das tapferste Herz zu Grund; eine Kugel durchbohret das redlichste Herz,
und Buben, sie treiben mit Helden Scherz. O weh! ec.

11. Da schreiet ein schnöder Franzosenmund: „Man soll ihn be-
graben wie einen Hund, wie einen Schelm, der an Galgen und Rad
schon fütterte Krähen und Raben satt!“ O weh! ec.

12. Sie schnitten den Kopf von dem Rumpfe ihm ab und legten
den Leib in ein schlechtes Grab; da schläft er nun bis an den jüngsten
Tag, wo Gott ihn zu Freuden erwecken mag.

13. So trugen sie ihn ohne Sang und Klang, ohne Pfeifengetön,
ohne Trommelklang, ohn Kanonenmusik und Flintengruß, womit man
Soldaten begraben muß.

14. Da schläft nun der fromme, der tapfere Held, o weh! Ihm ward
kein Stein zum Gedächtnis gestellt; oh weh! Doch hat er gleich keinen
Ehrenstein, sein Name wird nimmer vergessen sein.

15. Denn zäumet ein Reiter sein tapferes Pferd, juche! und
schwinget ein Reiter sein blankes Schwert, juchhe! so rufet er immer:
Herr Schill, Herr Schill! ich an den Franzosen Euch rächen will!
Juchhe ec.

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