arrow_back KommersbuchApp

Männer und Buben

Th. Körner. 1813

1. Das Volk steht auf, der Sturm bricht los; wer legt noch die
Hände feig in den Schoß? Pfui über dich Buben
hinter dem Ofen, unter den Schranzen und unter den Zo fen!
Bist doch ein ehrlos erbärmlicher Wicht, ein erbärmlicher
Wicht! ein deutsches Mädchen küßt dich nicht, ein deutsches Lied er-
freut dich nicht, und deutscher Wein erquickt dich nicht! Stoßt mit
an, Mann für Mann, wer den Flamberg schwingen kann!

2. Wenn wir die Schauer der Regennacht unter Sturmespfeifen
wachend vollbracht, magst du immer auf üppigen Pfühlen wollüstig
träumend die Glieder fühlen. Bist doch ein ehrlos ec.

3. Wenn uns der Trompeten rauher Klang wie Donner Gottes zum
Herzen drang, magst du im Theater die Nase wetzen und dich an
Trillern und Läufern ergötzen. Bist doch ein ehrlos ec.

4. Wenn die Glut des Tags versengend drückt und uns kaum ein
Tropfen Wasser erquickt, kannst du Champagner springen lassen,
kannst du an brechenden Tafeln prassen! Bist doch ein ehrlos ec.

5. Wenn wir vorm Donner der würgenden Schlacht zum Abschied
ans ferne Treuliebchen gedacht, magst du zu deinen Maitressen laufen
und dir mit Golde die Lust erkaufen. Bist doch ein ehrlos ec.

6. Wenn die Kugel pfeift, wenn die Lanze saust, wenn der Tod
uns in tausend Gestalten umbraust, kannst du am Spieltisch dein
Septleva brechen und mit der Spadille die Könige stechen. Bist doch
ein ehrlos ec.

7. Und schlägt unser Stündlein im Schlachtenrot, willkommen
dann, selger Soldatentod! Du mußt dann unter seidenen Decken,
unter Merkur und Latwergen verrecken; stirbst als ein ehrlos erbärm-
licher Wicht! Ein deutsches Mädchen beweint dich nicht, ein deutsches
Lied besingt dich nicht, und deutsche Becher klingen dir nicht. Stoßt
mit an, Mann für Mann, wer den Flamberg schwingen kann!

vertical_align_top