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1. Mutter sagt zum Töchterlein:
"Heute Abend fleißig sein,
greif zu Spinnrad und Rocken!"
"Ach, wir wollten heute ja
auf den großen Kommers, Mama!"
|:Töchterlein spricht es erschrocken.:l

2. Mutter schier entrüstet ist
über das Oppositionsgelöst,
spricht in Eifer erglommen:
Tabaksqualm und Bieresduft,
Burschenlieder und Kneipenluft
|: kann einem Mädchen nicht frommen. :|

3. "Diese Studenten, o Himmel, nein!
Sollen so schreckliche Menschen sein,
die Theologen am meisten,
kneipen am liebsten das ganze Jahr
und dem Treiben soll ich gar
|:nun auch Vorschub leisten !":|

4. "Mutter," spricht der Vater mild,
'sieh, dein holdes Ebenbild
mit den goldnen Locken ist so
jung und lebensfroh,
banne sie nur heut' nicht so
|:streng an den garstigen Rocken!:|

5. "Hab" ja selber Tag und Nacht
flott als Bursch' einst mitgemacht,
jetzt vor zwanzig Jahren,
bin von flottem Kneipturnei
heimgewandelt oft um Drei
|:freilich mitunter gefahren).:|

6. War's nicht auch im Festessaal,
als wir beide zum erstenmal
Hand in Hand gestanden,
als, umbraust von Jubelsang,
Schlägerschmettern und Gläserklang,
|:still zwei Herzen sich fanden?:|

7. "Ach, es schenkt ja die Natur
goldne Jugend einmal nur
uns in blühenden Lenzen;
la0 der Jugend ihr froh Gesicht,
wehrest ja selber den Tränen nicht,
|:die im Auge dir glänzen." :|

8. über ein Stündlein mit frohem Sinn
sitzen die drei im Festsaal drin,
fort sind Kummer und Klagen.
Mädchen jubelt in heller Freud'!
Ob sie ihr Herz verloren heut',
|:müßt ihr sie selber fragen.:|

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