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Der Enderle von Ketsch

1. Jetzt weicht, jetzt flieht! jetzt weicht, jetzt flieht mit Zittern und Zähnegefletsch; jetzt weicht, jetzt flieht! wir singen das Lied vom Enderle von Ketsch.

2. Ott Heinrich, der Pfalzgraf bei Rheine, der sprach eines Morgens: Rem blem! Ich pfeif auf die saueren Weine, ich geh nach Jerusalem, lern.

3. Viel schöner und lilienweißer schaun dort die Jungfrauen drein: O Kanzler, O Mückenhäuser, fünftausend Dukaten pack ein.

4. Und als sie lagen vor Joppen, da faltet der Kanzler die Händ: |: Jetzt langt's noch zu einem Schoppen, dann sind die Dukaten zu End. :|

5. Ott Heinrich, der Pfalzgraf, sprach munter: Rem blem! Was ficht uns das an? Wir fahren nach Cyprus hinunter und pumpen die Königin an.

6. Schon tanzte die alte Galeere vor Cyprus in funkelnder Nacht, da hub sich ein Sturm auf dem Meere und rollender Donner erkracht.

7. Umzuckt von gespenstischem Glaste ein schwarzes Schiff braust vorbei, hemdärmlich ein Geist steht am Mäste und furchtbar gellet sein Schrei:

8. Jetzt weicht, jetzt flieht! jetzt weicht, jetzt flieht mit Zittern und Zähnegefletsch; jetzt weicht, jetzt flieht! im Sturm herziecht der Enderle von Ketsch.

9. Der Donner klang leise und leiser, und glatt wie öl lag die See, dem tapferen Mückenhäuser, dem Kanzler, war's wind und weh.

10. Der Pfalzgraf stund am Steuer und schaut in die Wogen hinaus: Rem blem! 's ist nimmer geheuer, o Cyprus, wir müssen nach Haus!

11. Gott sei meiner Seele gnädig, ich bin ein gewitzter Mann; zurück, zurück nach Venedig, wir pumpen niemand mehr an!

12. Und wer bei den Türken und Heiden, wie ich, sein Geld verschlampampt, der verzieh sich geräuschlos beizeiten, es klingt doch höllenverdammt:

13. Jetzt weicht, jetzt flieht! jetzt weicht, jetzt flieht mit Zittern und Zähnegefletsch; jetzt weicht, jetzt flieht! im Sturm herzieht der Enderle von Ketsch!

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