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Die Eichen

Theodor Körner, 1811

1. Abend wird's, des Tages Stimmen schweigen, räter
strahlt der Sonne letztes Glühn; und hier sitz ich unter
euren Zweigen, und das Herz ist mir so voll, so
kühn! Alter Zeiten alte treue Zeugen, schmückt euch
doch des Lebens frisches Grün, und der Vorwelt kräftige Ge-
stalten sind uns noch in eurer Pracht erhalten.

2. Viel des Edlen hat die Zeit zertrümmert, viel des Schönen
starb den frühen Tod; durch die reichen Blätterkränze schimmert seinen
Abschied dort das Abendrot. Doch, um das Verhängnis unbekümmert,
hat vergebens euch die Zeit bedroht, und es ruft mir aus der Zweige
Wehen: alles Große muß im Tod bestehen.

3. Und ihr habt bestanden! Unter allen grünt ihr frisch und kühn
mit starkem Mut. Wohl kein Pilger wird vorüber wallen, der in eurem
Schatten nicht geruht. Und wenn herbstlich eure Blätter fallen, tot
auch sind sie euch ein küstlich Gut; denn verwesend werden eure Kinder
eurer nächsten Frühlingspracht Begründer.

4. Schönes Bild von alter deutscher Treue, wie sie bessre Zeiten
angeschaut, wo in freudig kühner Todesweihe Bürger ihre Staaten fest=
gebaut. Ach, was hilft's, daß ich den Schmerz erneue? sind doch alle
diesem Schmerz vertraut! Deutsches Volk, du herrlichstes von allen,
deine Eichen stehn, du bist gefallen!

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